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  • Bettina Bauer

Bedürfnisorientierung in der Erziehung

Aktualisiert: Mai 14

Diesen Monat möchte ich euch einen Einblick in das Thema Bedürfnisorientierung und was so dazu gehört geben.


Jeder Mensch hat Bedürfnisse. Wahrscheinlich ist den Meisten von uns in irgendeinem Zusammenhang die Bedürfnispyramide nach Maslow begegnet. Oder nicht? Dann hier mal kurz zum Spicken:


Neben den aufgeführten Bedürfnissen hat der Mensch natürlich noch viele Weitere. Unter anderem:

Abwechslung, Aktivität, Austausch, Autonomie, Bildung, Entspannung, Entwicklung, Feiern, Freiheit, Freude, Frieden, Geborgenheit, Gesundheit, Kontakt, Kreativität, Liebe, Mitgefühl, Nähe, Natur, Respekt, Selbstbestimmung, Selbstverantwortung, Sicherheit, Verbundenheit, Vertrauen, Wärme, Wertschätzung, Zugehörigkeit.


Jeder Mensch hat also Bedürfnisse. Und da Kinder nunmal Menschen sind, haben sie ebenso wie Erwachsene ihre eigenen Bedürfnisse. Zum Leidwesen der Eltern sind diese oftmals nicht deckungsgleich. Allein beim Thema "Schlafen" kann dazu garantiert jede Familie ein Lied singen. Aber auch sonst unterscheiden sich die Bedürfnisse natürlich. Ist ja unter Erwachsenen genauso.


Über Bedürfnisorientierte Erziehung gibt es unzählige Bücher und kontroverse Diskussionen. Ich möchte hier keinen allumfassenden Fachvortrag halten. Ich möchte einen kurzen Einblick geben, was "Bedürnisorientierte Erziehung" sein KANN und weshalb es sich lohnt, sich zumindest einmal mit dem Thema zu beschäftigen.


Als Erstes könnte man sich bei genauerem Interesse mit Arbeit von Kinderpsychiater und Psychoanalytiker John Bowlby und der Entwicklungspsychologin Mary Ainsworth zum Thema "Bindungstheorie" befassen. Extrem vereinfacht und verkürzt kann man sagen: es ist für ein Kind wichtig, verlässliche und einfühlsame Bezugspersonen zu haben, damit es Vertrauen in sich und die Welt fassen kann. Es erlebt so, dass es ein wichtiger Teil der Gesellschaft ist und etwas bewirken kann.


Wenn Eltern angemessen auf die Bedürfnisse ihrer Kinder reagieren, dann lernen Kinder für ihr weiteres Leben, dass sie ihre (Um)Welt gestalten können. Das setzt voraus, dass die Eltern bereit sind, sich Gedanken über die Bedürfnisse des Kindes zu machen. Es also als eigenständigen Menschen wahrzunehmen und zu respektieren.


Was macht man also als bedürfnisorientierte Eltern, wenn der Säugling schreit? Man versucht herauszufinden, was sein Problem ist. Dabei wägt man ab und bezieht in die "Ursachenforschung" mit ein, was in den letzten Minuten oder Stunden passiert ist. Hunger? Durst? Müde? Windel voll? Bauchweh? Je besser man seinen Säugling kennenlernt, desto einfacher fällt einem die Unterscheidung. Und dann hat man irgendwann schon beim ersten Mucks raus, was gerade das Problem ist. Obwohl für einen Außenstehenden anhand des Schreis gar kein Unterschied festzustellen ist. Wenn man sein Baby also gut kennengelernt hat, kann man in der Regel angemessen auf das Bedürfnis reagieren. Manchmal liegt man natürlich völlig daneben. That's life! Eine der für mich prägendsten Aussagen im Studium zum Thema Bindung und Bedürfnisse war: "Kinder brauchen keine perfekten Eltern. Kinder brauchen genügend gute Eltern."


Und genauso geht es dann weiter wenn das Kind älter wird. Mit fortschreitender Entwicklung verändern und entwickeln sich natürlich die Bedürfnisse der Kinder. Bedürfnisorientierte Elternschaft bedeutet, das Kind so anzunehmen wie es ist. Anstatt seine eigenen Erwartungen hinein zu projizieren und ein kleines Abbild seiner Selbst zu erschaffen. Es bedeutet, sein Kind ernst zu nehmen und mit ihm in den Austausch darüber zu gehen, was ihm wichtig ist.


Bedürfnisorientierte Elternschaft bedeutet NICHT:

*Sich selbst aufzugeben. Denn die Bedürfnisse der Erwachsenen gehören ebenfalls in die Beziehung in einer bedürfnisorientierten Elternschaft.

*Dem Kind alle Entscheidungen zu überlassen. Damit wäre es schlichtweg überfordert und nicht in seinem Bedürfnis nach liebevoller Führung und Struktur wahrgenommen.

*Dem Kind alle Wünsche zu erfüllen. Wie Julia Marktl so schön sagt: man kann unterscheiden in Wünsche und Bedürfnisse. Wünsche drücken meist ein Bedürfnis aus. Zur Erfüllung eines Bedürfnisses ist es jedoch nicht unbedingt notwendig, den geäußerten Wunsch zu erfüllen. Man kann sich gemeinsam eine alternative Strategie zur Bedürfnisbefriedigung überlegen, mit der alle einverstanden sind.


Ist es mitunter schwierig und anstrengend, sich so intensiv mit den Bedürfnissen anderer auseinander zu setzen? Klar! Bringt es uns in Situationen, in denen wir vor anderen Personen das Gefühl haben, zu lasch oder zu streng zu sein? Aber hallo! Ich glaube aber aus tiefstem Herzen, dass ein respektvoller Umgang, Liebe und Vertrauen die Basis ist, um ein Kind zu einem selbstbewussten, aktiven, verantwortungsbewusstem Erwachsenen heranreifen zu lassen.


Möchtest du dich gerne ein wenig mehr mit Bindungsorientierter Elternschaft auseinandersetzen? Dann freue dich schonmal auf nächste Woche, denn da geht es weiter mit einem Gastpost von Julia Marktl zum Thema "Giraffensprache: Achtsame Kommunikation in Familien".


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